10.06.2008Landesfarben Grün-Weiß mit kräftigem BraunVon Hendrik Lasch, Neues Deutschland vom 10.6.2008 In Sachsens Kommunen dominiert auch künftig die CDU. Wahlgewinner ist aber die NPD: Sie gewinnt als einzige Partei hinzu und sitzt nun in allen Kreistagen – oft in Fraktionstärke Das Ergebnis in dem Ort am Zirkelstein ist exemplarisch für die Abstimmung am Sonntag, bei der in Sachsen im Vorfeld einer Kreisreform zehn Kreistage und Landräte neu bestimmt wurden. Zwar bleibt die CDU dominierende Kraft: Trotz Einbußen von drei Prozentpunkten behauptete sie mit 39,5 Prozent die Spitzenstellung und liegt klar vor der LINKEN, die, nachdem sie 2004 noch auf 20,3 Prozent gekommen war, diesmal 18,7 Prozent erreichte. Eigentlicher Wahlgewinner aber ist die NPD: Sie vervierfachte ihr Resultat von 2004 (als sie jedoch nicht flächendeckend antrat), liegt landesweit bei 5,1 Prozent und ist künftig in allen Kreistagen vertreten, in der Hälfte davon als Fraktion. Die Rechtsextremen müssen dabei nicht mehr nur auf Hochburgen bauen. Zwar fährt die NPD in ihrer Bastion Sächsische Schweiz weiter die besten Ergebnisse ein; in Touristenorten wie Königstein und Rathen sind sie stabil zweistellig. Doch der Aufbau von Strukturen, der seit dem Erfolg bei der Landtagswahl 2004 im Land begann, zeitigt Folgen: In Ostsachsen und Erzgebirge kam man auf über fünf Prozent, und selbst in schwachen Gebieten wie dem Vogtland sind es über drei. Künftig stellt die Partei wohl 45 Abgeordnete in Kreistagen; zuletzt waren es 13. Auffällig ist, dass die NPD für solche Erfolge kein zentrales Protestthema mehr benötigt wie 2004, als sie die Wut auf Hartz IV aufgriff und mit 9,2 Prozent in den Landtag einzog. Nun reichten der Groll über die Gebietsreform und die Schwäche der CDU, die an Affären um Sachsen-Sumpf und Landesbankverkauf leidet. Der NPD, die Slogans wie »Höchststrafe für CDU-Versager« plakatierte, schadeten nicht einmal die Erosion der Landtagsfraktion und der Rückgang der Mitgliederzahlen auf 850. Selbst bei der Kür der Landräte schaffte es die Partei mit unbekannten Import-Kandidaten wie dem Geschichtsrevisionisten Olaf Rose auf bis zu 7,8 Prozent – und ließ in zwei Kreisen die SPD hinter sich. Ein besseres Ergebnis in Bautzen verhinderte der rechtspopulistische CDU-Abweichler Henry Nietzsche, der mit dem Bündnis »Arbeit, Familie, Vaterland« auf 13,2 Prozent kam. Profitiert hat die NPD von der niedrigen Wahlbeteiligung, die mit unter 46 Prozent einen neuen Tiefstwert erreichte. Bei den demokratischen Parteien herrscht nun Entsetzen. Von »erschreckenden« Zahlen spricht man bei der SPD, die ihr eigenes dürftiges Resultat von 11,5 Prozent (minus 0,3) als Stabilisierung »auf niedrigem Niveau« verkauft, wie bei der LINKEN. Eine »Besorgnis erregende« Entwicklung konstatieren die Grünen, die über ihr eigenes Resultat von 3,1 Prozent (minus 0,3) enttäuscht sind. Nicht überrascht sind dagegen langjährige Beobachter wie Friedemann Bringt vom Kulturbüro Sachsen. Er stellt nüchtern fest, die NPD sei »in der Fläche angekommen« – auch, weil Gegenstrategien nie wirklich konsequent verfolgt worden seien. Jenseits der NPD-Erfolge bietet sich in Sachsen das gewohnte Bild: Bei den Landratswahlen brachte die CDU in sechs von zehn Kreisen ihre Bewerber durch; in den übrigen vier, wo es in zwei Wochen eine Wiederholung gibt, führt sie. Nur im Kreis Leipzig hat die bisherige SPD-Landrätin Petra Köpping den Hauch einer Chance, wenn sie Hilfe der LINKEN erhält, was Landeschefin Cornelia Ernst in Aussicht stellte. Deren Kandidat Klaus Sühl wiederum hat in Dresden zu Ernsts großer Freude den zweiten Platz erkämpft – wenn auch mit 14,5 Prozent weit hinter der CDU-Ministerin Helga Orosz, die mit fast 48 Prozent den Durchmarsch nur knapp verfehlte. Sühl erinnert nun Mitbewerber Peter Lames (SPD, 12,5) und Eva Jähnigen (Grüne, 9,9) an die Vereinbarung der drei Parteien, in der zweiten Runde den stärksten Kandidaten zu unterstützen. Absprachen dazu sollten gestern getroffen werden.
Wahlsplitter, Quelle: Leipziger Internetzeitung, 9.6.2008
[...] In Markkleeberg sicherte sich der amtierende Oberbürgermeister Bernd
Klose (SPD) mit 64,2 % der Stimmen auch die nächste Amtszeit. In
Taucha, das künftig zum Landkreis Nordsachsen gehört, schaffte dasselbe
Kunststück Bürgermeister Dr. Holger Schirmbeck sogar mit 68,4 % der
abgegebenen Stimmen. |
| Weiterführende Links: |
Neues Deutschland - Sozialistische Tageszeitung |
Wahlergebnisse Kreistagswahlen 08 beim Statistischen Landesamt Sachsen |