11.04.2010Finaler Beschluss über Kaufland-Ansiedlung am Lindenauer Markt am 21.4.2010Redaktion, 11.4.2010 Nachdem die Beschlussfassung über den “Vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 286 “Stadtteilzentrum Lindenauer Markt” im März vertagt wurde, wird der Stadtrat am 21.4.2010 votieren. Die Bedenken der zahlreichen Kritiker des Vorhabens sind nicht ausgeräumt
Einen Tag vor der Ratsversammlung am 24.3. wurde die Beschlussvorlage über das so genannte Stadtteilzentrum Lindenauer Markt von der Tagesordnung genommen. Damit wollte die Stadt wohlmöglich das Scheitern des Projektes zuvorkommen. In den Wochen davor war es zu wachsenden Protesten gegen den Bau eines Mega-Supermarktes durch Kaufland gekommen. Sowohl das Stadtforum Leipzig, ein Zusammenschluss, der sich für die Entwicklung und Umsetzung einer nachhaltigen städtebaulichen Strategie einsetzt, die Klimaallianz Leipzig, die IHK Leipzig, Mehr Demokratie Sachsen sowie zahlreiche AnwohnerInnen und Gewerbetreibende sprechen sich gegen das Projekt und FÜR eine alternative Gestaltung und Belebung des Lindenauer Marktes aus.
Inzwischen fahren die Befürworter des Projektes ihre Geschütze auf.
So schrieb Projektentwickler Günther Kuhn in Reaktion auf einen Brief
des Stadtteilvereines Lindenau und des Stadtforums einen Brief an die StadträtInnen, in dem er u.a. hart mit dem Stadtforum ins Gericht geht und diesem "eine Kampagne gegen das [...] Projekt des Stadtteilzentrums Lindenauer Markt" vorwirft. Auch Schadenersatzforderungen und der Ruf der Stadt gegenüber Investoren werden drohend in den Raum geworfen und damit eine demokratische Abwägung zu unterminieren versucht. Dass die GegnerInnen der Kauflandansiedlung eben nicht für Entwicklungsstau und Fundamentalismus stehen, beweisen die Veröffentlichungen des Stadtforums (siehe pdf-download) und des Lindenauer Stadtteilvereines (siehe unten), die im folgenden dokumentiert werden. Position des Lindenauer Stadtteilvereins Vb B-Plan Nr. 286 „Stadtteilzentrum Lindenauer Markt“: Folgende Ergänzungen sind vertraglich mit Betreiber und Bauherrn zu regeln: Die Ansiedlung eines Verbrauchermarktes als Vollsortimenter soll an der geplanten Stelle erfolgen. Eine Reduzierung der bisher avisierten Verkaufsfläche auf insgesamt max. 2.500 m² ist anzupassen. Die bauliche Schließung der Nordostseite des Lindenauer Marktes muss in städtebaulich angemessener Höhe und Kubatur erfolgen. Die derzeitige Planung entspricht dem nur unzureichend. Ein Konzept zur Verkehrsreduzierung für den Bereich Lindenauer Markt und umgebende Wohnviertel (einschließlich Cottaweg - Merseburger Straße – Lützner Straße – Erich-Köhn-Straße) ist bis zur Inbetriebnahme des Verbrauchermarktes mit den lokalen Akteuren in Form der bewährten Planungs- und Verkehrsworkshops zu erarbeiten und umzusetzen. Grundlage dafür bildet das Konzeptpapier der vom Quartiersmanagement moderierten Initiative von Händlern, Kulturschaffenden und Aktiven am Lindenauer Markt. Mindestanforderung sind hier die bauliche Schließung der Henricistraße in Höhe Spielplatz und die Sperrung der Nordseite des Marktes für den motorisierten Individualverkehr. Die beiden denkmalgeschützten Häuser respekt. Fassaden müssen erhalten bleiben. Die Summe von 200.000 Euro im Durchführungsvertrag ist zu niedrig, um bei etwaigen „Baufehlern“ (s. Reudnitz!) die Fassaden wieder herzustellen. Die Summe muss angepasst werden. Für den Besatz der Konzessionäre ist zu beachten: Kein bereits am Markt vorhandener Betrieb soll dort eine Konkurrenz außer als durch Kaufland selbst erhalten – also keine Konzessionäre wie Bäcker, Drogerie, Buchhandel, Blumenladen, Apotheke etc. Vielmehr muss das defizitäre Angebot vor Ort ergänzt werden: Einrichtung einer Poststelle, Schlüsseldienst/Mister Minit, Bioladen und eines Fleischers. Die Konzessionäre haben eigene Zugänge zur Marktseite und können über ihre Öffnungszeiten frei entscheiden. Ein verbindlicher Nachweis von Fahrradstellplätzen (mind. 25) in Eingangsnähe ist im Durchführungsvertrag festzuschreiben. Die derzeit geplanten 235 PKW-Stellplätze ergeben sich aus der verfügbaren Dachfläche und nicht aus der betreffenden Verwaltungsvorschrift zur SächsBO. Die Verwaltungsvorschrift bezügl. der Stellplatzanzahl eröffnet für den Stellplatznachweis einen großen Spielraum. Wegen der guten ÖPNV-Anbindung kann hier eine deutliche Reduzierung vorgenommen werden auf allerhöchstens 150 PKW-Stellplätze. Das Parkplatzangebot durch den Verbrauchermarkt muss während der Öffnungszeiten kostenfrei nutzbar für den gesamten Marktbereich sein. Die grüne Fassadengestaltung und deren dauerhafte Pflege ist detaillert im Durchführungsvertrag zu regeln. Der Bau ist komplett barrierefrei auszuführen – keine „selbstgemachten“ Stufen wie beim Konsum (Demmeringstraße). |
| Dokumente zum Text: |
Stadtforum Lindenauer Markt (182 kB) |