14.04.2010Feiern aus Liebe zum Abgas – ein giftiges Unterfangen?Bericht der AktivistInnen, 14.4.2010 UmweltaktivstInnen äußern mit spontaner Party Kritik an der Autolobby.Statt Die der Praxis der systematischen Bevorzugung des Straßenverkehrs durch die öffentliche Hand fordern sie mehr Geld für den Schienenverkehr und den öffentlichen Personennahverkehr
Anlässlich der Party der „Auto Mobil International“ versammelten sich gestern ca. 20 Umweltaktivist_innen aus Leipzig ab 18:15 Uhr vor dem Messegelände. Unter dem Motto „Aus Liebe zum Abgas“ feierten sie eine Outdoor-Party. Allerdings wurde die Aktion ziemlich schnell von den resolut auftretenden Sicherheitskräften der AMI unterbrochen.
Mit Musik im Gepäck und ganz im Stil der parodierten Aussteller_innen gekleidet, äußerten die Umweltaktivist_innen durch diese Feierlichkeit ihre Kritik an der Autolobby. „Auf der AMI wird das Auto als zukunftsfähige Technologie dargestellt. Dabei können auch die erbärmlichen Greenwashing-Versuchen der Autoindustrie nicht davon ablenken, dass wir angesichts des anthropogenen Klimawandels nicht neuere, sondern weniger Autos brauchen,“ so Kim Fietz im Vorfeld der Aktion. „Die Automobilbranche inszeniert das Auto als Statussymbol. Dabei bedient sie sich einer naiven Fortschrittsideologie und schreckt vor sexistischen Elementen nicht zurück,“ macht Andi Knut seinem Ärger Luft. Mit Hilfe eines Schlauchboots gelangte ein Teil der Gruppe auf eine kleine Insel im Teich vor dem Eingang der Messe. Dort drapierten sie ein Transparent mit der Aufschrift „Aus Liebe zum Abgas“. Die feine Ironie prägte auch die mitgebrachten Plakate: „As long as the music is loud enough, we won’t hear the world falling apart,“ war dort zu lesen. Der Rest der Gruppe blieb an Land und verschönerte den grauen Beton mit Straßenmalkreide und tanzte zur Musik. Besucher_innen der Messe verfolgten die Szenerie mit Interesse. Die Organisator_innen der AMI fürchteten sich offensichtlich vor den Argumenten ihrer Kritiker_innen. Sie ließen sich auf keinen Dialog ein, sondern schickten nach kurzer Zeit die resolut auftretenden Sicherheitskräfte. Diese drohten mit Polizei und „vorläufigen Festnahmen“. Durch ihr hartes Eingreifen waren die Umweltaktivist_innen gezwungen, gegen 19 Uhr die friedliche Aktion abzubrechen. Die Kritik der Umweltaktivist_innen richtet sich gegen die anhaltend hohen Investitionen in neue Straßen, wodurch öffentliche Räume und Biotope beschnitten werden. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Bedrohung der Weinteichsenke im Süden von Leipzig durch das Planungsvorhaben der S46n. Dagegen fordern sie mehr Geld für den Schienenverkehr und den öffentlichen Personennahverkehr. Die systematische Bevorzugung des Straßenverkehrs durch die öffentliche Hand löse weder soziale noch ökologische Probleme, sondern führe vor allem zu noch mehr Autos. Andi Knut fordert stattdessen, „dass Fahrradstraßen geschaffen werden und der öffentliche Personennahverkehr für alle kostenlos ist. Die Verkehrspolitik hat sich zu lange am Autoverkehr orientiert. Eine menschengerechte Stadtgestaltung sieht anders aus.“ |