27.07.2010
Global Space Odyssey am 31.7.2010: vierundzwanzig sieben - Kultu(h)r tickt anders! Am
31. Juli ist es wieder soweit: die Global Space Odyssey (GSO), eine
kulturpolitische Demonstration, zieht durch Leipzig. Mit ihrem Aufruf fordert die GSO Freiräume für Kultur und richtet sich gegen die zunehmende Prekarisierung von Arbeits-
und Lebensverhältnissen und gegen Kürzungen im sozialen, Bildungs-
und Kulturbereich
Seit mehreren
Jahren wird die GSO jährlich von Kulturschaffenden und
kulturpolitisch Aktiven organisiert. Sie fungiert darüber hinaus als
organisatorische und Netzwerk-Plattform der
nicht-institutionalisierten, selbstorganisierten Kulturszene in der
Stadt.
In
diesem Jahr richtet die Global Space Odyssey mit ihrem Aufruf den
Blick auf aktuelle gesellschaftliche Problemlagen und richtet klare
Worte gegen die fortschreitende Prekarisierung der Arbeits- und
Lebensverhältnisse und gegen die von sächsischer Landesregierung
und Bundesregierung geplanten Kürzungen im sozialen Bereich sowie
bei Bildung und Kultur. Im Mittelpunkt steht außerdem die Forderung
nach freier Entfaltung selbstorganisierter Kultur. Hier gibt es noch
vielerlei Problemlagen. So sind die Veranstaltungsräume, die im
Vorfeld der Global Space Odyssey 2009 auf Weisung des
Bauordnungsamtes geschlossen wurden - die Gieszer 16,
Damenhandschuhfabrik und Superkronik - ihre Probleme ein Jahr später
immer noch nicht komplett los und müssen teilweise massive
Einschränkungen in ihrem Veranstaltungsbetrieb hinnehmen.
Ungeklärt
bleibt bis dato auch das Problem fehlender Möglichkeiten von
Kulturveranstaltungen im Freien, die in den warmen Monaten immer
wieder spontan und unangemeldet stattfinden. Zumeist werden solche
Veranstaltungen polizeilich aufgelöst und gegen mutmaßliche
VeranstalterInnen Straf- bzw. Ordnungswidrigkeitsverfahren
eingeleitet. Die, die den Schritt in die Legalität gehen und ihre
Freiluft-Veranstaltungen anmelden wollen, scheitern an zahllosen
bürokratischen Hürden. Um dieses Problem anzugehen legte die Global
Space Odyssey zum Jahreswechsel ein Konzept für selbst verwaltete
Freifläche(n) für Kulturveranstaltungen in Leipzig vor und trat
damit in Kommunikation mit den verantwortlichen Institutionen der
Stadt. Das Ordnungsamt prüft den Vorschlag wohlwollend, nach über
sieben Monaten gibt es allerdings immer noch kein Ergebnis.
In
der Konzeption wird der Anspruch formuliert, in den Monaten April bis
September mindestens eine Freifläche legal nutzen zu können. Diese
soll von einem Verein verwaltetet werden, an den sich die an der
Nutzung interessierten AusrichterInnen nicht-kommerzieller
Kulturveranstaltungen wenden können. Der Verein würden gegenüber
der Stadt Sorge für einen verantwortungsvollen Umgang der
NutzerInnen mit Umwelt, AnwohnerInnen etc. tragen.
"Die
Einrichtung von legalen Freiflächen ist eine originäre Forderung
der Global Space Odyssey. Wir wollen damit bürokratiearme Freiräume
für junge Kultur schaffen. In so vielen anderen Bereichen hat sich
erwiesen, dass Verbote die falsche Antwort auf gesellschaftlich
etablierte Praxen sind. Warum lenkt die Stadt in Sachen
Kultur-Freiflächen nicht endlich wohlwollend ein?
Das von uns
vorgeschlagene Modell würde zudem zivilgesellschaftliche Strukturen
stärken, die sich selbst organisatorisch, kooperativ und
ehrenamtlich um ihre Belange kümmern. Einer Stadt wie Leipzig, die
so großen Wert auf bürgerschaftliches Engagement und demokratische
Traditionen legt, stünde ein solches Projekt gut zu Gesicht.“ so die VerfasserInnen des Konzeptes.
Aufruf zur GSO 2010
Global Space Odyssey 2010 – 24/7 Kultu(h)r tickt anders

Schneller,
höher, weiter – das Tempo zieht an. Jederzeit erreichbar, jederzeit
abrufbar, flexibel, energetisch und voller Ideen. Die Grenzen zwischen
Arbeitswelt, Freizeit und Hobby verschwimmen, dagegen sinken die Chancen
auf ein gesichertes Einkommen. Mit der trügerischen Freiheit, sich
selbst zu verwirklichen, geht mehr und mehr Unsicherheit einher.
Schließlich bleibt jeder und jede darauf angewiesen, die Früchte seiner
bzw. ihrer Tätigkeit zu verkaufen. Die Freiheit der selbstbestimmten
Kreativität endet dort, wo es um die materielle Existenz geht.
Im
Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft sind
traditionelle Lebensabläufe unter die Räder gekommen, doch die neue Welt
der ungeraden Lebenswege geht mit einem enormen Leistungsdruck einher,
dem viele nicht standhalten. Wer sich und seine Fähigkeiten nicht gut
verkaufen kann, kommt aufs Abstellgleis und muss sich mit schlecht
bezahlten Jobs oder Hartz IV arrangieren. Gleichzeitig spart der Staat
an allen Ecken und Enden bei der sozialen Fürsorge, der Bildung und der
öffentlichen Infrastruktur.
Ist das die Freiheit, die wir
meinen? Die Freiheit, 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche
leistungsfähig, besser als die anderen und abhängig vom wirtschaftlichen
Marktgeschehen und staatlichen Zugeständnissen zu sein?
Unser Spaß sieht anders aus!
Wir
leben rund um die Uhr - 24/7 - für unsere Kultur und damit für einen
alternativen gesellschaftlichen Weg. Die Freiheit, die wir meinen, ist
verbunden mit der Idee von Gerechtigkeit und Solidarität. Denn
Gesellschaft kann auch anders funktionieren. Wenn Menschen ihre
Fähigkeiten frei entfalten könnten, wenn der Druck des kapitalistischen
Diktates, der Druck, sich und seine Arbeitskraft für so viele
überflüssige Dinge zu Markte zu tragen, verschwinden würde, könnte das
Leben einfacher und schöner sein. Denn die Kreativität und
Schaffenskraft, die uns erfüllt, ist kein sinnloses Randprodukt, sondern
ein wertvoller gesellschaftlicher Beitrag.
In der Realität
unterliegen die Freiräume, in denen viele von uns leben und wirken,
einem Kommerzialisierungsdruck oder aber staatlichem Normierungswahn. So
meinen die städtischen Ämter und Behörden in Leipzig, unsere
Kultur-Veranstaltungen immer wieder be- und verhindern zu müssen. Darauf
haben wir keinen Bock mehr! Denn kulturelle Freiräume bereichern den
Alltag vieler Menschen in dieser Stadt – egal, ob sie deren
Konsument(innen) oder Produzent(innen) sind. Das muss die Stadt endlich
anerkennen!
Unsere Kultur bietet schließlich auch einen Raum ohne
Diskriminierung und Abwertung. Erscheinungen, deren Anwachsen wir mit
Besorgnis beobachten.
Die Global Space Odyssey 2010 richtet den
Blick auch auf die drastischen Kürzungen im sozialen Bereich. Im
laufenden Jahr hat die sächsische Staatsregierung hier 25 Millionen Euro
eingespart. Und für die kommenden Jahre werden noch krassere
Einschnitte erwartet. Auch im Bildungsbereich, zum Beispiel bei Kitas,
soll "der Gürtel“ enger geschnallt werden. Hinzu kommt, dass die
sächsischen Hochschulen unterfinanziert sind, dass Mitspracherechte von
Studierenden zu Gunsten stärkerer Einflussnahme der Privatwirtschaft
kleiner werden.
Mit dieser Kürzungs- und Privatisierungspolitik
wollen die Regierenden die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise
kompensieren. Und zwar auf Kosten derer, die sie nicht verursacht
haben!
Wir entgegnen: Wer bei Bildung, Jugend oder in anderen
sozialen Bereichen spart, vergeht sich an den Grundlagen UND an der
Zukunft dieser Gesellschaft.
Mit der diesjährigen Global Space
Odyssey wollen wir unser Lebensgefühl und unsere Vorstellung von Kultur
und Gesellschaft auf die Straße tragen.
Wir demonstrieren für mehr
Toleranz und Akzeptanz, gegen Rassismus und Stumpfsinn, für mehr Leben
und kulturelle Freiräume in unserer Stadt - und das 24 Stunden am Tag
und 7 Tage in der Woche!
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